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Vormagnetisierung (Bias)


Die Technik eines Tonbandgerätes oder Tape-Decks würde normalerweise nur stark verzerrte Aufnahmen ermöglichen. Nur wenn bei der Aufnahme ein hochfrequenter Wechselstrom mit einer Frequenz von etwa 100 Kilohertz durch den Sprech- oder Aufnahmekopf fließt, und dabei das niederfrequente Tonsignal überlagert, erhält man qualitativ gute Aufnahmen. Mit diesem Prinzip arbeitet heute jedes Tonbandgerät oder Tape-Deck.

In den 30er Jahren wurde noch die Vormagnetisierung mit Gleichstrom verwendet. Allerdings hat man damit nur unbefriedigende Ergebnisse erreicht.



Stärke des Vormagnetisierungsstromes

Die Stärke dieses Vormagnetisierungsstromes, auch Bias genannt, ist entscheidend für eine gute Aufnahme, denn sie beeinflußt die elektromagnetischen Eigenschaften des Tonbandes wie Verzerrungen, Aussteuerbarkeit und Höhenempfindlichkeit.

Die besseren Tape-Decks haben oft einen externen Biasregler. Ich konnte mir in meiner Jugendzeit, den 80er Jahren ein so gutes Tape vorerst nicht leisten, denn man mußte damals für ein wirklich gutes schon 600 bis 800 DM auf den Tisch legen. Es reichte 1985 nur für ein 300 DM Gerät von JVC. Trotzdem kannte ich seinerzeit auch den Biasregler, denn ein gutes Tape war immer der Wunschtraum für später gewesen.

Mit der Stärke des Vormagnetisierungsstromes oder Bias kann man den Frequenzgang des benutzten Tonbandes oder der benutzten Cassette beeinflussen. Schon in den 80er Jahren war mir bekannt, daß die verschiedenen Cassetten eine unterschiedliche Höhenempfindlichkeit hatten. Bei einigen klangen die Aufnahmen etwas dumpfer als bei anderen. Mit dem Biasregler kann man solche Unterschiede ausgleichen. Dabei gibt es folgende Änderungen:

  • Wird der Vormagnetisierungsstrom niedriger (Biasregler wird nach links auf "-" gedreht), steigt die Höhenempfindlichkeit des Tonbandes oder der Cassette und die Aufnahme klingt heller.
  • Wird der Vormagnetisierungsstrom höher (Biasregler wird nach rechts auf "+" gedreht), sinkt die Höhenempfindlichkeit des Tonbandes oder der Cassette und die Aufnahme klingt dumpfer.

Im Prinzip braucht jedes Band (Marke) seine eigene spezielle Bias-Einstellung. Die Stärke des Vormagnetisierungsstromes beeinflußt weiterhin auch die Aussteuerbarkeit des Bandes:

  • Ein niedriger Vormagnetisierungsstrom gibt eine gute Aussteuerbarkeit in den Höhen, aber eine schlechte in den Tiefen. D. h. bei lauten Stellen neigen die tiefen Frequenzen rascher zu Verzerrungen. Weiterhin vergrößern sich auch die Klirrverzerrungen und das Rauschen.
  • Ein hoher Vormagnetisierungsstrom gibt eine gute Aussteuerbarkeit in den Tiefen, aber eine schlechte in den Höhen. D. h. bei lauten Stellen neigen die hohen Frequenzen rascher zu Verzerrungen. Allerdings verringern sich hier Klirrverzerrungen und Rauschen.


Einstellung des Vormagnetisierungsstromes

Aus dem oben gesagten folgt, daß man einen Kompromiss zwischen Höhenempfindlichkeit, Verzerrungen und Rauschen finden muß. Zum Einstellen des Bias nimmt man am besten das Rauschen eines senderfreien UKW-Bereiches aus dem Tuner. Das aufgenommene Signal soll in etwa gleich hell klingen wie das Original, dann ist der Bias für das eingelegte Band richtig eingestellt.

Allerdings muß man aufpassen, wenn der Tonkopf bei einem älteren Gerät schon verschlissen ist. Bei meinem zweiten älteren Tape-Deck (Universum) habe ich Ende der 80er Jahre den Bias neu eingestellt, weil einige Aufnahmen schon dumpfer als das Original klangen. Da dieses Gerät keinen externen Biasregler hatte, mußte es geöffnet werden. Die Einstellungen wurden für jeden Kanal einzeln gemacht. Ich konnte es lediglich nach Gehör mit einem Rauschen (aus dem Tuner) einstellen.

Eine Verringerung des Bias brachte zwar hellere Aufnahmen, so daß diese mit dem Orignal besser übereinstimmten, aber warum den Bias testweise nicht gleich noch ein Stück weiter nach links drehen, um etwas mehr Höhen reinzukriegen? Also hab ich das probiert, aber dann begannen bei Musikaufnahmen sofort die Bässe zu verzerren, und das schon einer Aussteuerung von knapp +3 dB! Hier wurde nun deutlich, was oben gesagt wurde, daß nämlich ein geringer Bias eine schlechte Aussteuerbarkeit der tiefen Frequenzen gibt!

Letztlich habe ich den Bias wieder etwas hochgedreht, wodurch die Verzerrungen bei den Bässen zwar verschwanden, die Aufnahme aber auch wieder etwas dumpfer klang. Und hier sieht man jetzt auch, daß man bei einem verschlissenen Kopf mit der Biaseinstellung nicht mehr weit kommt!



Einmessen des Gerätes

Die besten klanglichen Ergebnisse lassen sich aus einem Gerät herausholen, indem es in einer Fachwerkstatt auf eine gewünschte Bandsorte (Marke) exakt eingemessen wird. Ich habe seinerzeit mein JVC-Tape auf Chrom-Cassetten von Maxell (XL II) einmessen lassen. Diese Feinarbeit kostete allerdings auch etwa 70 DM.

Selber kann man so etwas allerdings kaum machen, weil dazu meist die erforderlichen Meßgeräte fehlen. Ein Oszilloskop hat der Hobby-Elektroniker ja in vielen Fällen noch, aber weiterhin ist ein Meßgerät für Tonhöhenschwankungen und ein guter Sinusgenerator erforderlich, wobei der Sinusgenerator einen geringen Klirrfaktor von unter 0,5 Prozent haben muß. Die normalen Bastelschaltungen für Sinusgeneratoren haben aber alle deutlich höhere Klirrfaktoren, sind also dazu unbrauchbar. Zum Einmessen eines Tonbandes oder Tape-Decks müssen neben sehr gutem Fachwissen auch hochwertige Meßgeräte vorhanden sein. Und dann kostet das ganze auch noch etwas Zeit.


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