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Cassetten und Tape-Decks


Mit Cassettendecks (Tape-Decks) und Cassettenrecordern habe ich in meiner gesamten Jugendzeit in den 80er Jahren gearbeitet und viel Musik, Geräusche und Gespräche auf Cassetten aufgenommen.


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Gutes Tape-Deck für Cassetten



Compact-Cassette (MC)

Die Compact-Cassette oder Musik-Cassette (MC) wurde im Jahr 1963 zusammen mit einem Cassettenrecorder von Philips vorgestellt. Die Compact-Cassette war zunächst für Sprachaufnahmen gedacht, aber bald wurden die ersten Radiorecorder herausgebracht, womit die Compact-Cassette auch zur Aufzeichnung von Musik genutzt wurde. Cassettenrecorder gab es später auch in Stereo und durch Verbesserungen der Magnetschicht des Bandmaterials wurde eine gute Tonqualität erreicht.


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Chromdioxid-Cassetten aus den 80er Jahren



Bandsorten

Genau wie beim Tonband besteht das Band einer Compact-Cassette aus einem Trägermaterial, auf dem eine Magnetschicht aufgebracht ist. Als Magnetschicht diente zunächst Eisenoxid (Ferro oder Fe2O3).

Später wurde als Magnetschicht auch Chromdioxid (CrO2 ) verwendet, was einen deutlichen Qualitätsgewinn brachte. Daneben gibt es auch Doppelbeschichtungen wie Ferrochrom (FeCr), die aus Eisenoxid und Chromdioxid bestehen.

Die beste Tonqualität bieten allerdings Bänder mit Magnetbeschichtungen aus Reineisen (Metal). Diese waren mit etwa 10 bis 12 DM pro Cassette auch die teuersten und sind heute nicht mehr neu zu bekommen.


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Metal-Cassetten


Die einzelnen Bandsorten haben eine unterschiedliche Magnetisierbarkeit. Daher muß das Gerät auf die entsprechende Bandsorte richtig eingestellt werden. Das passiert entweder manuell über einen Bandsortenumschalter, oder auch automatisch. Dabei wird neben der Vormagnetisierung auch der Frequenzgang der entsprechenden Bandsorte angepasst.

Bei falscher Einstellung des Bandsortenschalters stimmt der Frequenzgang bei der Aufnahme und Wiedergabe nicht mehr. Wird z. B. eine Cassette mit Chromdioxidbeschichtung in der Schalterstellung "Ferro" abgespielt, so klingt die Cassette heller, also höhenreicher als in der richtigen Stellung "Chrom". Dies habe ich früher aber oft absichtlich gemacht, damit die Aufnahmen etwas höhenreicher und heller klangen. Umgekehrt klingt eine Cassette mit Ferrobeschichtung in der Schalterstellung "Chrom" abgespielt dumpfer als in der richtigen Stellung "Ferro".

Moderne Tape-Decks haben oft eine automatische Erkennung der Bandsorte, so daß hier kein manueller Schalter mehr vorhanden ist. Wie funktioniert diese? Zur Erkennung der Bandsorte sind hinten im Cassettengehäuse Einkerbungen vorhanden. In den Abbildungen in der Tabelle unten sind diese Kennöffnungen grau dargestellt.


Type Bandsorte Kennung
I Ferro type2.gif
II Chromdioxid type2.gif
III Ferrochrom type3.gif
IV Metal type4.gif

Eine Ferro-Cassette hat keine Einkerbung, eine Chromdioxid-Cassette zwei und eine Metal-Cassette vier Einkerbungen.

Die zwei Einkerbungen von Ferrochrom-Cassetten sind allerdings nicht immer vorhanden und werden auch nicht von allen Geräten mit automatischer Bandsortenerkennung richtig erkannt. An vielen Geräten mit manueller Bandsorteneinstellung gibt es die Einstellung "Ferrochrom" auch nicht. In diesem Fall sollte man zur Aufnahme und Wiedergabe solcher Cassetten die Einstellung "Chrom" verwenden.

Wichtig!

Hinten am Cassettengehäuse befinden zusätzlich zwei Plastikzungen. Wenn man diese herausbricht, läßt sich die Cassette nicht mehr neu bespielen (löschen). Soll so eine Cassette dennoch neu bespielt werden, so müssen diese Öffnungen mit einem starken Klebeband zugeklebt werden.

Man sollte besonders darauf achten, daß man dabei nicht die Einkerbungen für die Bandsortenerkennung zuklebt! Dies gilt besonders für Chromdioxid- und Metalcassetten, da hier die Einkerbungen direkt neben der Plastikzunge liegen und sich nach dem Herausbrechen der Plastikzungen eine lange Öffnung ergibt. Am besten sieht man sich dazu eine Cassette an, wo die Plastikzungen noch vorhanden sind. Dann sieht man auch, welcher Bereich nicht zugeklebt werden darf. Ansonsten wird bei Geräten mit automatischer Bandsortenerkennung die Bandsorte auf Ferro gestellt und das Band nicht richtig magnetisiert.


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Chromdioxid-Cassette
Rechts von der herausbrechbaren Plastiklasche befindet sich die Einkerbung für die Bandsortenerkennung, die keinesfalls zugeklebt werden darf!



Rauschunterdrückung

Um das lästige Bandrauschen zu reduzieren, wurden Rauschunterdrückungssysteme entwickelt. Von Dolby Laboratories wurde 1966 zunächst das Dolby A für Studiotonbandgeräte herausgebracht.

1968 erschien das heute an jedem Tape-Deck bekannte Dolby B. Bei diesem werden alle Frequenzen oberhalb von etwa 1 Kilohetz bei der Aufnahme lauter auf das Band aufgezeichnet und bei der Wiedergabe wieder um den gleichen Betrag abgeschwächt. Dadurch sind die hohen Frequenzen bei der Wiedergabe wieder genauso laut wie ursprünglich, durch die Abschwächung wird aber auch gleichzeitig das Bandrauschen verringert. Daher muß eine Cassette, die mit Dolby B aufgenommen wurde, auch mit Dolby B abgespielt werden! Tut man das nicht, so klingt die Aufnahme durch die starke Anhebung der Höhen verzischelt.

JVC entwickelte ein zu Dolby B kompatibles Rauschunterdrückungssystem mit der Bezeichung ANRS. Dieses wirkt allerdings schon auf Frequenzen oberhalb von etwa 500 Hertz.

Weitere Rauschunterdrückungssysteme waren das 1980 vorgestellte Dolby C und das 1982 vorgestellte Dolby HX pro. Beim letzteren wurde bei einem Anstieg hoher Frequenzen im Musiksignal die Vormagetisierung verringert, was eine verbesserte Aussteuerbarkeit der Höhen zur Folge hatte.

Für Pop-Musik reicht das Dolby B eigentlich schon aus, während Dolby C besonders für Aufnahmen klassischer Musik empfehlenswert ist.



Die Compact-Cassette heute

Die Produktion der Compact-Cassette wurde in Deutschland im Jahr 2010 eingestellt. Es gibt aber heute noch Restbestände die verkauft werden. Nur ist die Nachfrage mittlerweile sehr gering geworden.

Auch wenn heute die digitalen Medien herrschen, hatte die Cassette doch ihre Vorteile. So läßt sie sich z. B. besonders im Fahrzeug vollkommen blind einlegen. Bei einer CD muß man dagegen vorher nachsehen, wo oben und unten ist. Die Cassette muß zwar auch seitenrichtig eingelegt werden, aber die Seite, wo das Band offen ist, läßt sich schnell durch blindes Tasten finden. Da die meisten guten Cassettengeräte für Fahrzeuge einen Umschalter zum Seitenwechsel hatten, war es egal, ob die Cassette auf Seite A oder B eingelegt wurde. Per Umschalter ließ sich die Seite jederzeit wechseln.

Gute Cassetten wie Maxell XL II und XL II-S hatten auch eine hohe Hitzebeständigkeit. Und vor allem war die Cassette einfach zu bedienen und immer schnell einsatzbereit. Lief z. B. ein gutes Musikstück im Radio, brauchte man am Tape nur die Aufnahmetaste zu drücken, sofern die richtige Cassette drin lag. Dazu habe ich immer eine bestimmte Cassette im Tape gehabt, so daß der Aufnahmevorgang sehr schnell gestartet werden konnte.

Mit den digitalen Medien ist es aber nicht mehr ganz so einfach. Da müssen erst CD's am PC gebrannt werden und zum Radiohören schaltet man doch lieber ein richtiges Radio oder den Tuner an der Stereoanlage ein, als den nervig summenden PC den ganzen Tag laufen zu haben, es sei denn man arbeitet gerade daran. Aber auch dann müssen die aufgenommenen digitalen Dateien erstmal sortiert und auf eine CD gebrannt bzw. auf ein anderes Medium übertragen werden.

Ein großer Nachteil besonders bei den Cassettengeräten für Fahrzeuge war allerdings deren Verschleiß. Ich habe früher täglich im Fahrzeug meine oft von CD's zusammengestellten Cassetten gehört. Nach etwa 4 Jahren waren dann die Antriebsriemen und Gummirollen in den Geräten vollkommen abgenudelt. Die Musik fing an zu leiern, wurde langsamer und schließlich kündigte ein großes "MUUUUUÄÄÄÄÄÄ" nach dem Einlegen der Cassette an, daß ich ein neues Radio brauchte, da die Garantie schon lange abgelaufen war...


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Kleiner Ausschnitt aus dem Cassettenregal des Autors


Bei einem guten Tape-Deck sieht das natürlich anders aus. Meine habe ich immer noch und sie funktionieren einwandfrei. Und auch die fast 300 Cassetten sind alle noch da und sie klingen immer noch hervorragend, und wenn nicht, lag es eher an der Qualität des Aufnahmesignals. Gehört werden sie allerdings eher selten, weil heute auch das Radio im Fahrzeug einen CD-Spieler eingebaut hat. Trotzdem sollen die ganzen alten Cassettenaufnahmen bestehen bleiben, und wenn sie mal gehört werden, dann natürlich nur im ordentlichen Tape-Deck.


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