Home  •  Impressum  •  Sitemap

Gegentaktstufe


Diesen einfachen Gegentaktverstärker kann man vielfältig zum Experimentieren verwenden. Mit den Kleinsignaltransistoren BC 548 erreicht man eine Leistung von etwa 0,5 Watt.



Ein kleiner Gegentaktverstärker

Gegentaktverstärker sind aus zwei komplementären Transistoren aufgebaut, d. h. aus einen NPN- und einen PNP-Transistor mit den gleichen Verstärkungseigenschaften. Der NPN-Transistor verstärkt die positive und der PNP-Transistor die negative Halbwelle der Wechselspannung. Damit auch kleine Signale verstärkt werden können, müssen die Transistoren bereits leitend sein, d. h. sie müssen mit einer kleinen Vorspannung angesteuert werden. Dies wird hier durch zwei Dioden erreicht, wo eine Vorspannung von etwa 0,7 Volt an die Basen der Transistoren gelegt wird. Um den Arbeitspunkt zu stabilisieren, dienen die beiden Emitterwiderstände von 10 Ohm. Weiterhin ist dieser Verstärker mit einer Treiberstufe am Eingang kombiniert.


gegentakt10.gif

Ein kleiner Gegentaktverstärker


Normalerweise braucht man zum Betrieb eines solchen Verstärkers eine positive und eine negative Betriebsspannung. Schaltet man zwischen dem Verstärkerausgang und dem Lautsprecher einen großen Kondensator (Elko), wird dieser während der positiven Halbwelle aufgeladen und während der negativen Halbwelle wieder entladen. Beim Entladen wirkt dieser kurzzeitig als Spannungsquelle, so daß man mit einer Betriebsspannung auskommt.


bc546.gif    bc556.gif

Links: Die Anschlußbelegung des Transistors BC 548
Rechts: Die Anschlußbelegung des Transistors BC 558


Ich habe noch zwei zusätzliche Dinge in die Schaltung eingefügt. Mit einem Widerstand (R5) am Emitter des Transistors T1 lassen sich Verzerrungen des Verstärkers etwas herabsetzen. Damit durch den Widerstand die Verstärkerwirkung nicht zu stark herabgesetzt wird, ist dem Widerstand ein (großer) Kondensator (C3) parallel geschaltet. Da ein Kondensator für Wechselspannungen durchlässig ist, können Wechselspannungssignale den Widerstand umgehen womit die volle Verstärkerwirkung erhalten bleibt! Nebenbei sei aber erwähnt, daß durch solche Maßnahmen auch der Klirrfaktor veschlechtert wird. Aber das ist für einfache Versuche nicht so wichtig, da bei hochwertigen Verstärkern wie im HiFi-Bereich der Schaltungsaufwand auch ein ganz anderer ist. Dort werden u. a. auch mehrere Verstärkerstufen hintereinander geschaltet.

Ersetzt man den Widerstand R5 im ersten Schaltbild durch ein Poti (P1), kann man die Arbeitspunkte der beiden Transistoren aufeinander abstimmen. Siehe dazu weiter unten!


gegentakt11.gif

Die verbesserte Schaltung des Gegentaktverstärkers


gegentakt3.jpg

So sieht die fertige Schaltung auf einer Streifenplatine aus



Einstellung des Arbeitspunktes

Diese Anleitung gilt für den kleinen Gegentaktverstärker oben! Mit dem Poti (50 KOhm) stellt man den richtigen Arbeitspunkt ein. Dazu wäre natürlich ein Oszilloskop ideal. Eine grobe Einstellung ist aber auch ohne möglich. Dazu mißt man die Spannung am Verbindungspunkt zwischen den beiden Emitterwiderständen (10 Ohm). Hier sollte man genau die halbe Betriebsspannung messen; also 3 Volt. Ist dies nicht der Fall, kann man mit dem Poti P1 die Spannung richtig einstellen.


gegentakt5.jpg

Einstellung des Arbeitspunktes


Hat man ein Oszilloskop zur Verfügung, kann man die Einstellung damit kontrollieren. Dazu gibt man in den Eingang des Verstärkers ein Sinussignal mit z. B. 1000 Hz und einstellbarer Amplitude und schließt am Ausgang das Oszilloskop an. Die Amplitude des Sinussignals sollte zunächst unter 100 mV eff betragen. Dann erhöht man die Amplitude soweit, bis die Spitze einer Sinuskurve abflacht. Bei richtiger Einstellung des Arbeitspunktes muß dieses Abflachen bei beiden Halbwellen in gleicher Weise einsetzen! Bei falscher Arbeitspunkteinstellung beginnt zuerst eine der beiden Halbwellen, entweder die positive oder die negative, zu verzerren während die andere noch unverzerrt ist. In diesem Fall muß man den Arbeitspunkt mit dem Poti P1 nachstellen.


sinusapunkt1.jpg

Falscher Arbeitspunkt
Die negative Halbwelle (PNP-Transistor) zeigt bereits Übersteuerung (abgeflachte Spitze) während die positive oben noch rund ist. Der Arbeitspunkt des PNP-Transistors ist falsch.


sinusueber1.jpg

Richtiger Arbeitspunkt
Hier setzt die Übersteuerung bei beiden Halbwellen gleich ein.



Was kann man mit dieser Schaltung anfangen?

Der hier als Beispiel gezeigte sehr einfache Gegentaktverstärker eignet sich nicht als HiFi Verstärker, denn an einen solchen werden ganz andere Maßstäbe an die Klangqualität gesetzt was auch einen deutlich höheren Schaltungsaufwand zur Folge hat. Trotzdem ist die hier gezeigte Schaltung vielseitig verwendbar, z. B. zum Experimentieren, für Miniradios oder für Prüfzwecke, um z. B. NF-Signale hörbar zu machen. Die Leistung beträgt bei Vollaussteuerung etwa 0,5 Watt.

Ich habe diese Schaltung in ein kleines Gehäuse aus transparenten Polycarbonat eingebaut und so einen Miniverstärker aufgebaut. Als Eingang dienen zwei Chinchbuchsen. Ein Umschalter schaltet den linken oder rechten Kanal auf den Verstärker. Ein solcher Miniverstärker ist bestens geeignet, um schnell mal schwache NF-Signale am Basteltisch hörbar zu machen.


gegentakt6.jpg

Während des Einbaus in ein Gehäuse aus Polycarbonat


gegentakt7.jpg

Der fertige Miniverstärker


Weiterhin habe ich auch eine Stereoversion erstellt. Dazu muß diese Schaltung nur zweimal aufgebaut werden:


gegentakt.jpg

Eine Stereoversion des Gegentaktverstärkers



gegentakt2jpg

Und so sieht die Lötseite der "Doppelversion" aus


"Echte" Gegentaktverstärker sind heute aber selten geworden. Stattdessen werden heute komplette Gegentaktverstärker in IC's integriert, sog. IC-Verstärker. Diese gibt es für unterschiedliche Ausgangsleistungen, z. B. den TDA 1519, der maximal etwa 6 Watt schafft.


Bitte beachten Sie die Hinweise zur Seite!

© Copyright: 2005-2014 Mario Lehwald
www.hobby-bastelecke.de