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Video 2000


Video 2000 wurde von den Firmen Grundig und Philips entwickelt und im Jahr 1979 auf den Markt gebracht. im Herbst 1984 hatten meine Eltern leihweise einen Video 2000 Recorder von Grundig. Ich kann mich an dieses Gerät noch gut erinnern, ein großer Kasten mit Frontlader. Vom Innenleben dieses Gerätes wußte ich damals natürlich überhaupt nichts, aber dank des Internets konnte ich das in neuerer Zeit nachholen und mir die Grundlagen dazu ansehen, die ich hier festgehalten habe.



Videoband

Bei Video 2000 beträgt die Breite des Cassettenbandes 1,27 cm, also 1/2 Zoll. Die Cassetten lassen sich im Gegensatz zu den anderen Videoformaten wenden, sind also beidseitig bespielbar. So passen auf eine Cassette mit 4 Stunden Länge insgesamt 8 Stunden.


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Eine Video-2000-Cassette


Ich kann mich noch daran erinnern, daß die Video 2000 Cassetten zum Schutz gegen Überspielen hinten eine Art Schiebeschalter hatten. Wenn man diesen umschaltet, kann man die Cassette nicht mehr überspielen. Zum erneutem Bespielen läßt sich aber der Schalter wieder zurückschieben.


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Links oben der umschaltbare Schiebeschalter zum Schutz gegen Überspielen



Kopftrommel und Bandgeschwindigkeit

Die im Betrieb rotierende Kopftrommel hat einen Durchmesser von 65 Millimetern. Die Kopftrommel rotiert mit 25 Umdrehungen pro Sekunde oder 1500 Umdrehungen pro Minute. Pro Umdrehung wird immer 1 TV-Halbbild auf das Band geschrieben. Die Bandgeschwindgkeit liegt bei 2,442 cm/s



Videospuren

Genau wie VHS schreibt auch Video 2000 die Bildsignale in Schrägspuren. Da die Videocassetten aber beidseitig bespielbar sind, steht für die Videoschrägspuren nur die halbe Bandbreite zur Verfügung. Die Breite einer Schrägspur beträgt bei Video 2000 etwa 22,6 Mikrometer, ist also nur halb so breit wie bei VHS. Die Präzision eines Video 2000 Recorders ist schon gigantisch, damit die feinen Videospuren überhaupt richtig getroffen und gelesen werden können!

Bei Video 2000 gibt es weiterhin keine Synchronspur. Diese wird normalerweise benötigt, um den Bandlauf im richtigen Verhältnis zum Winkel des Kopfrades zu steuern. Bei Video 2000 wurden für diese Steuerung spezielle Signale benutzt. Allerdings gab es hier das Problem, daß es schon bei ausgefransten Bandrändern zu Störungen bei der Wiedergabe kam. Die gleiche Technik wurde später auch bei Video 8 benutzt, ein Format das mancher von den Videocameras kennt.


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Bei Video 2000 belegen die Schrägspuren nur die halbe Videobandbreite
da man die Cassetten beiseitig benutzen kann,
so daß pro Cassenseite nur die halbe Bandbreite zur Verfügung steht.


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So sieht das bespielte Video 2000-Band aus



Dynamic-Track-Following (DFT)

Eine Besonderheit bei Video 2000 war das sogenannte Dynamic-Track-Following (DFT). Dazu wurden die Videoköpfe auf Piezoplättchen befestigt (auch Aktuatoren genannt). Diese benötigten eine Steuerspannung von etwa 150 Volt, welche aufwendig mit Hilfe von Schleifringen auf das rotierende Kopfrad übertragen werden mußten. Dies war daher oft eine Fehlerquelle bei den Geräten.

Die Steuerspannung verformte die Piezoplättchen, womit sich auch die Position des Kopfes leicht verschob. Die Steuerspannung wurde von einem Microcontroller erzeugt, der spezielle Signale auswertete, die bei der ersten Aufnahme auf das Band geschrieben wurden. Dadurch ist es möglich, die Videoköpfe präzise der schrägen Videospur nachzuführen, und das auch beim Bildsuchlauf. Der Bildsuchlauf von Video 2000 war daher im Gegensatz zu anderen Videoformaten fast völlig frei von Störstreifen!



Die Videoköpfe sind hochempfindlich!

Weil die Videoköpfe auf Piezoplättchen befestigt sind, sind sie wirklich hochempfindlich. Der geringste Druck und sie brechen sofort ab. Daher ist es schon eine Mutprobe, einen Video 2000 Recorder reinigen zu wollen. Man sollte einen solchen zum Reinigen besser in eine Fachwerkstatt geben!



Warum sich Video 2000 nicht durchgesetzt hatte

Obwohl Video 2000 in einigen Punkten dem späteren System VHS überlegen war, hat sich Video 2000 nicht durchgesetzt. Der Grund dafür ist wohl mit darin zu suchen, das JVC bei der Filmindustrie günstig Lizenzen für VHS angeboten hatte. Bereits vor der Einführung von Video 2000 Ende der 70er Jahre gab es schon Videotheken mit Leihfilmen, von denen viele auf VHS erschienen sind. Auch sollte Philips sich geweigert haben, pornografische Filme auf Video 2000 anzubieten. Letztlich konnte sich Video 2000 am Markt nicht behaupten und so wurde die Produktion von Video 2000 im Jahr 1985 eingestellt.


Bitte beachten Sie unbedingt die Warnhinweise!

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